„Das Nichtgelingende ist immer das Interessantere.“

»[…] Das ist einer der fundamentalen Irrtümer über die Lebenskunst, dass man glaubt, sie sei dazu da, sich ein schönes Leben zu machen. Sie ist dazu da, die größten Schwierigkeiten des Lebens zu bewältigen. Lebenskunst ist Können des Lebens, es geht um das fundamentale Können. Alles zusammen zu tragen, was Menschen von der Pieke auf zum Leben brauchen.
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Eine demokratische Gesellschaft kommt nicht von oben runter, sie geht von unten rauf, nur dann steht sie auf gesunden Füßen, wenn genügend Bürger da sind, wenn ich den Begriff einmal verwenden darf, die sich als Teilhaber der Gesellschaft verstehen.
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Die entscheidende Frage ist, wozu man sich befreit.
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Die Jahrhundertaufgabe heißt, der Freiheit inhaltliche Formen zu geben. Lebenskunst ist dafür da, diesen zweiten Teil der Freiheit zu bewältigen.
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Es geht um die Spannweite zwischen Askese und Ekstase. Viele wollen nur die Ekstase. Aber nur, wenn man sich übt in etwas, sich auch diszipliniert verhält, auch etwas verzögern kann, hat man den besseren Sex. Es geht um Optimierung, nicht um Maximierung. Maximieren Sie mal den Sex, maximieren Sie mal das Essen, das geht gar nicht.
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Was haben die Pegida-Leute für ein Problem? Ihr Glück wird bedroht. Sie wollen Zäune um ganz Deutschland bauen, damit ihr Glück nicht bedroht ist. Alles soll immer gleich, immer identisch bleiben. Doch was sich jetzt vollzieht, ist Veränderung.
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Und jetzt kommt von außen geschenkt die große Herausforderung, die es unmöglich macht, dass wir gleich bleiben. Und so sehe ich es auch: Es ist ein Gottesgeschenk.
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Das Wichtigste im Leben ist aber nicht, dass alles gelingt. Wir brauchen Lebenskunst, um mit dem zurechtzukommen, was nicht gelingt. Das Nichtgelingende ist immer das Interessantere.
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eine Gesellschaft, die akzeptiert, dass das menschliche Leben auf Problemen aufgebaut ist, die es zu lösen gilt. Und zwar aus dem einzigen Grund, um damit wieder neue Probleme zu schaffen und die wieder zu lösen.
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Das Leben selber hat vermutlich kein Bewusstsein, aber wir sind Teil eines ungeheuren Stroms von Leben, dem es darum geht, ausfindig zu machen, wo weiteres und neues Leben möglich ist.
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Jeder Mensch macht auch transzendente Erfahrungen. Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit schon mal einen Sex erlebt, der Sie hinweggespült hat, das sind religiöse Momente. Weil man sich selber und die Zeit vergisst, weil man eine hohe energetische Intensität erlebt, weil man sich verbunden mit allem fühlt. […]«

Iris Radisch, Wilhelm Schmid | DIE ZEIT | 05.01.2016 | „Ich hasse das Thema Glück mittlerweile“ – Doch helfen Gelassenheit und Lebenskunst gegen Terror und Flüchtlingskrise? | http://www.zeit.de/2015/52/wilhelm-schmid-terrorismus-gefluechtete-lebenskunst

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