Autonomie 2018.


Das Leuchten seiner roten Nase war verblasst.
Rudolph fror.

Heiliger Abend und er saß mit traurigen Augen und hängenden Schultern am Straßenrand, in eine warme Decke gehüllt, den Bettelhut vor sich liegend und über sein Schicksal sinnierend.
Santa Claus‘ Worte vom elften November hingen wie ein Bleiklumpen an seiner Seele.
„Rudolph, es tut mir leid, ich muss mich von dir trennen, der autonome Schlitten mit digitalem Glockenspiel in Dolby-Surround ist soeben eingetroffen, ein neues Zeitalter beginnt.“
Arbeitslos – das erste Mal seit 1823.

Selbst während so vieler Kriege konnten sie den Menschen Weihnachten wenigstens ein kleines bisschen Hoffnung, ein wenig Freude bringen.
Nun war er selbst Opfer eines neoliberalen Krieges geworden: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ wird Warren E. Buffett zugeschrieben und die ganzen sogenannten technischen Innovationen dienten lediglich dazu, Geld von unten nach oben umzuverteilen, war sich Rudolph sicher. –

 

Er hob sanft die Schultern, machte den Rücken gerade, ein kleines Strahlen zeigte sich in seinen Augen und die rote Nase begann wieder zu leuchten.
Er hatte Vorsätze – und ein gerade geborener Vorsatz für das nächste Weihnachten war, sich selbstständig zu machen: er würde ab 2018 selbst Geschenke ausfliegen, mit einem historischen Schlitten, echtem Schellengeläut und nur Geschenke, die Eltern ihren Kindern selbst basteln würden!

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/12/24/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-52-17-und-01-18-weihnachts-und-neujahrsetueden/

14 Gedanken zu “Autonomie 2018.

  1. Nähme Rudolf nicht vielleicht doch ein lieb ausgesuchtes, nicht selbst gebastelten Geschenk für meinen Enkel mit? Ich bin doch so unbegabt. Plätzchen und Kuchen könnte ich allerdings liefern 🤗wenn er eine Ausnahme macht, dann ihn bitte nächstes auf der Dachterrasse landen lassen.
    Dir schöne Feiertage wünscht Karin + Capucchio🐈

    Gefällt 3 Personen

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