Phantasma.


Festen Schrittes betrat Sven, ein unauffälliger fünfundvierzigjähriger Beamter des mittleren Dienstes einer großen Behörde, einen Kölner Elektronik-Fachmarkt.
Er griff sich einen sogenannten Möbeltransportwagen mit ebener Ablagefläche auf Fußhöhe.
Zielstrebig ging Sven Richtung Musikabteilung.
Vor dem Regal mit den Discokugeln blieb er stehen und stapelte ruhig einen Karton nach dem anderen auf seinen Wagen.
Nachdem Sven den letzten Karton genommen hatte, wendete er den Transportwagen und ging, unbeirrt wie er gekommen war, Richtung Eingang, mied dabei die Kassenzone und wollte den Markt also verlassen wie er gekommen war. –

 

Sofort kam ein Security-Mitarbeiter angestürmt, schrie: „Halt! Hier wird nicht geklaut!“ und hinderte ihn daran, den Markt zu verlassen.
Sven geriet in Panik, schlug wie wild um sich und schrie, er müsse die Discokugeln entfernen, sonst wären sie alle verloren! –

 

Sven ließ sich von der hinzugezogenen Polizeipsychologin überreden, ein Gespräch mit einem Arzt im Alexianer-Krankenhaus, einem Fachkrankenhause für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, in Köln-Porz zu führen. –

 

Dort erzählte er dem Oberarzt in aller Ruhe und aus tiefer Überzeugung, dass er ultraviolette Signale von FRB 121102, aus einer entfernten Galaxie mit Supernovaüberresten, empfangen habe und er die unmissverständliche Warnung erhielt, dass SIE bald kämen, uns alle zu holen und dass SIE uns über die Reflektionen von Discokugeln vorher manipulierten und sedierten; deshalb müsse er die Menschheit retten und alle Discokugeln vernichten. –

 

Schon beim nächsten Termin berichtete Sven über die gute Wirkung des neuroleptischen Medikamentes, dass die Signale, die er empfing, schwächer würden und dass es, bei Lichte betrachtet, doch wahnsinnig sei, alle Discokugeln der Welt vernichten zu wollen.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/01/21/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-04-18-wortspende-von-wortgeflumselkritzelkram/ & https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/01/14/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-03-18-wortspende-von-ludwig-zeidler/

8 Gedanken zu “Phantasma.

  1. Witzige Idee die Schreibaufgaben zu kombinieren 🙂 Und ein Glück, dass sich Sven das mit den Discokugeln unter der Medikation eventuell nochmals anders überlegt. Keine Dicokugeln mehr – das wäre schon sehr schade 😉

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