Verlorenheit.

Mittwoch, 21. Februar 2018. 4:44 Uhr. Anstatt den Deutschlandfunk zu streamen, meldet sich der vernetzte Wecker mit einem hässlichen Signalton. Alle Versuche, einen Radiosender zu streamen, scheitern. Notebook ebenso. Kein Rauschen. Nur Stille. 04:49 Uhr: die Weck-App des Smartphones meldet sich. Bin schon auf!

Schließe Fenster. Drehe Heizung auf. Entleere Blase. Nehme Vitamin-B12-Tablette ein. Rühre Müsli an. Rasiere Bart. Duschen. Ankleiden. Fülle Wasserflaschen fürs Büro. Wasche Apfel ab. Lege zwei Mandarinen bereit. Nehme Margarine, Wilmersburger, zwei Brote, Messer und Butterbrottüte mit zum Esstisch. Das Radio streamt immer noch nicht. Schmiere und verpacke Mittagspausenbrote. Esse Müsli. Abräumen. Packe Rucksack. Ziehe Schuhe an. Drehe Heizung ab. Ziehe Rollläden hoch. Lösche Lichter. Ziehe Mantel an. Schultere Rucksack. Verlasse Wohnung. Bin auf der Straße.

Kein Autoverkehr. Keine Geräusche der unruhigen Rabenvögel heute. Nur Stille. Auch kein einziges Geräusch aus der Ferne. Höre meine Schritte auf dem Bürgersteig, mein Atmen, mein Herz pochen. Schneller als sonst. Erreiche und überquere leere Kreuzung und stehe vorm Bürogebäude. 05:52 Uhr. Bin im zweiten Stock, erreiche mein Büro. Wie immer der Erste. Lege Rucksack ab. Hänge Mantel auf. Öffne Schreibtisch. Räume die Sachen aus dem Rucksack in den Schreibtisch. Starte den PC, öffne Outlook. Die letzte Mail von gestern 18:47 Uhr. Job-Log der Tagesverarbeitung: mit dem 20.02.18, 23:59 Uhr enden alle Einträge. Bin besorgt.

Also noch nichts zu tun. 06:15 Uhr. Schicke nacheinander meinen drei Kindern und meiner ehemaligen Frau jeweils eine WhatsApp-Nachricht. Auch nach einer Stunde, sie müssten alle längst in Gange sein, keine Lesebestätigung. Trotz Schul- und Arbeitstag. Rufe sie an. Niemand hebt ab. Der Anrufbeantworter meldet sich. 06:55 Uhr. Es dämmert. 07:20 Uhr. Immer noch allein im Büro. Gehe durch alle Gänge, durch alle Stockwerke. Stille, wo sonst geschäftiges Treiben begönne. 07:45 Uhr. WhatsApp-Nachrichten an KollegInnen geschickt. Nachrichtenticker im Web geöffnet. Die letzten Nachrichten datieren vom Dienstag und enden vor Mitternacht. Fenster kurz geöffnet. Nur Stille. WhatsApp-Nachrichten werden nicht gelesen. KollegInnen-Dienst-Handys angerufen. Anrufbeantworter melden sich. Bin beunruhigt.

08:00 Uhr. Tippe 110. Verbindung nach zwanzig Freizeichen getrennt. Räume Essen und Trinken wieder aus dem Schreibtisch in den Rucksack. Beende Outlook, Fahre PC hinunter. Ziehe Mantel an. Schultere Rucksack. Gehe bewusst langsam Richtung Innenstadt. Kein Auto. Kein Mensch. Bäckereien, Kiosk und Kaufland geschlossen. Bin aufgeregt.

8:55 Uhr. Wieder zuhause. Nachbarn öffnen nicht. Stelle Rucksack ab. Hänge Mantel auf. Tausche Schuhe gegen Hausschuhe. Drehe Heizung auf. Suche Kofferradio. Nur Stille. Kein Rauschen. Schalte Fernseher ein. Nur Schwärze. Kein Rauschen. Lege mich aufs Bett, schlummere ein. 10:20 Uhr. Schlagartig wach. Stille. Rollläden der Wohnung gegenüber sind geschlossen. Sessel gibt mir halt. Stiere vor mich hin. 11:30 Uhr. Esse Apfel, Brot und Mandarinen. Trinke Kaffee. Checke WordPress-Reader. Letzter Eintrag vom 20.02. kurz vor Mitternacht. Blogge Hilferuf. 13:00 Uhr. Keine Reaktion. 13:15 Uhr. Verlasse Haus. 14:00 Uhr. Erreiche Haus meiner Familie. Keinem Menschen, keinem Tier begegnet. Kein Auto-, Schiffs-, Bahn- und Flugverkehr. Sonne scheint. Keine Reaktion aufs Klingeln. Hund kommt nicht an die Tür gelaufen. Nachbarn öffnen nicht. Nur Stille. Bin verzweifelt.

15:15 Uhr. Wieder zuhause. Schaue Videos. Höre Musik. Koche, esse. Schaue Videos. Höre Musik. Nichts Neues im Internet. 21:55 Uhr. Beschließe zu schlafen. Bleibe angezogen. Vielleicht ist morgen der Spuk vorbei, vielleicht alles nur ein Traum …

Mittwoch, 21. Februar 2018. 4:44 Uhr. Anstatt den Deutschlandfunk zu streamen, meldet sich der vernetzte Wecker mit einem hässlichen Signalton. Alle Versuche, einen Radiosender zu streamen, scheitern. Notebook ebenso. Kein Rauschen. Nur Stille. 04:49 Uhr: die Weck-App des Smartphones meldet sich. Bin schon auf!

Schließe Fenster. Drehe Heizung auf. Entleere Blase. Nehme Vitamin-B12-Tablette ein. Rühre Müsli an. Rasiere Bart. Dusche. Ankleiden. Fülle Wasserflaschen fürs Büro. Wasche Apfel ab. Lege zwei Mandarinen bereit. Nehme Margarine, Wilmersburger, zwei Brote, Messer und Butterbrottüte mit zum Esstisch. Das Radio streamt immer noch nicht. Schmiere und verpacke Mittagspausenbrote. Esse Müsli. Abräumen. Packe Rucksack. Ziehe Schuhe an. Drehe Heizung ab. Ziehe Rollläden hoch. Lösche Lichter. Ziehe Mantel an. Schultere Rucksack. Verlasse Wohnung. Bin auf der Straße.

Kein Autoverkehr. Keine Geräusche der unruhigen Rabenvögel heute. Nur Stille. Auch kein einziges Geräusch aus der Ferne. Höre meine Schritte auf dem Bürgersteig, mein Atmen, mein Herz pochen. Schneller als sonst. Erreiche und überquere leere Kreuzung und stehe vorm Bürogebäude. 05:52 Uhr. Bin im zweiten Stock, erreiche mein Büro. Wie immer der Erste. Lege Rucksack ab. Hänge Mantel auf. Öffne Schreibtisch. Räume die Sachen aus dem Rucksack in den Schreibtisch. Starte den PC, öffne Outlook. Die letzte Mail von gestern 18:47 Uhr. Job-Log der Tagesverarbeitung: mit dem 20.02.18, 23:59 Uhr enden alle Einträge. Bin besorgt.

Also noch nichts zu tun. 06:15 Uhr. Schicke nacheinander meinen drei Kindern und meiner ehemaligen Frau jeweils eine WhatsApp-Nachricht. Auch nach einer Stunde, sie müssten alle längst in Gange sein, keine Lesebestätigung. Trotz Schul- und Arbeitstag. Rufe sie an. Niemand hebt ab. Der Anrufbeantworter meldet sich. 06:55 Uhr. Es dämmert. 07:20 Uhr. Immer noch allein im Büro. Gehe durch alle Gänge, durch alle Stockwerke. Stille, wo sonst geschäftiges Treiben begönne. 07:45 Uhr. WhatsApp-Nachrichten an KollegInnen geschickt. Nachrichtenticker im Web geöffnet. Die letzten Nachrichten datieren vom Dienstag und enden vor Mitternacht. Fenster kurz geöffnet. Nur Stille. WhatsApp-Nachrichten werden nicht gelesen. KollegInnen Dienst-Handys angerufen. Anrufbeantworter melden sich. Bin beunruhigt.

08:00 Uhr. Tippe 110. Verbindung nach zwanzig Freizeichen getrennt. Räume Essen und Trinken wieder aus dem Schreibtisch in den Rucksack. Beende Outlook, Fahre PC hinunter. Ziehe Mantel an. Schultere Rucksack. Gehe bewusst langsam Richtung Innenstadt. Kein Auto. Kein Mensch. Bäckereien, Kiosk und Kaufland geschlossen. Bin aufgeregt.

8:55 Uhr. Wieder zuhause. Nachbarn öffnen nicht. Stelle Rucksack ab. Hänge Mantel auf. Tausche Schuhe gegen Hausschuhe. Drehe Heizung auf. Suche Kofferradio. Nur Stille. Kein Rauschen. Schalte Fernseher ein. Nur Schwärze. Kein Rauschen. Lege mich aufs Bett, schlummere ein. 10:20 Uhr. Schlagartig wach. Stille. Rollläden der Wohnung gegenüber sind geschlossen. Sessel gibt mir halt. Stiere vor mich hin. 11:30 Uhr. Esse Apfel, Brot und Mandarinen. Trinke Kaffee. Checke WordPress-Reader. Letzter Eintrag vom 20.02. kurz vor Mitternacht. Blogge Hilferuf. 13:00 Uhr. Keine Reaktion. 13:15 Uhr. Verlasse Haus. 14:00 Uhr. Erreiche Haus meiner Familie. Keinem Menschen, keinem Tier begegnet. Kein Auto-, Schiffs-, Bahn- und Flugverkehr. Sonne scheint. Keine Reaktion aufs Klingeln. Hund kommt nicht an die Tür gelaufen. Nachbarn öffnen nicht. Nur Stille. Bin verzweifelt.

15:15 Uhr. Wieder zuhause. Schaue Videos. Höre Musik. Koche, esse. Schaue Videos. Höre Musik. Nichts Neues im Internet. 21:55 Uhr. Beschließe zu schlafen. Bleibe angezogen. Vielleicht ist morgen der Spuk vorbei, vielleicht alles nur ein Traum …

Mittwoch, 21. Februar 2018. 4:44 Uhr. Anstatt …

Inspiration: http://projekttxt.net/2018/02/07/das-zweite-wort-2018/

Dieser Artikel ist unter CC BY-NC-ND 4.0 lizenziert.
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